Ich besitze zwei Modelle der Leoncino, eine Leoncino 2Takt, "Normale", ca. Bj. 1954-55, und eine Leoncino 4Takt, Bj. 1956. Zuerst zur seltenen 4Takt Maschine.
Die Leoncino 4T wurde nur 1956 in geringen Stückzahlen gebaut. Ich habe die Maschine von Günter Koslowski gekauft, der in den 50er und 60er Jahren als Rennfahrer unter anderem auf Benelli-Maschinen unterwegs gewesen ist. Er hat aus einer Strassenmaschine die derzeitige "Renn-Maschine" erzeugt. Der Kenner sieht, dass die Lackierung von der Strassenmaschine abweicht, das Strassenmodell hat einen Rot-Schwarzen Tank. Aber es sollte eine Rennmaschine werden, und alle Benelli-Rennmaschinen waren traditionell immer komplett rot, daher kein Schwarz auf dem Tank. Schutzbleche und Auspuff sind ebenfalls nicht original. (Das Benelli-Rot ist übrigens der Farbton RAL 3001 - für interessierte)
Das besondere an dem Motor ist die für Benelli bis in die 50er Jahre typische Ausführung mit oben liegender Nockenwelle, angetrieben über eine Zahnradkaskade. Der Motorblock ist von der 2Takt-Maschine übernommen, daher wurde die Schmierung über einen externen Öltank als Trockensumpf-Schmierung ausgelegt (Der Öltank ist leider noch nicht montiert...).
Das geniale und zugleich einfache an dem 4 Takt-Motor ist, dass die gesamte 4-Takt-Technik, seitlich aufgeflanscht wurde, bzw im Zylinderkopf integriert ist, der Motorblock ist nahezu identisch mit dem 2-Takt-Motor. In den folgenden Bilder sieht man die aufgeflanschte Zahnrad-Kaskade, welche die obenliegende Nockenwelle ("Monoalbero") antreibt. Die Ölkanäle und die Ölpumpe sind im Deckel integriert. Der Antrieb der Ölpumpe erfolgt über einen Exzenter an der Kupplung. Alles in allem einfach genial einfach.
Jetzt gilt es zu entscheiden, was man aus der Maschine macht. Stellt man wieder den Original-Zustand her, oder modifiziert man die "Renn-Maschine" so, dass man TÜV bekommt ?
Beim Kauf wurde mir gesagt, es handle sich bei dem Motor um die Sport-Variante. Allerdings steht auf dem Motor eine 4 stellige Nummer mit einem "N". Zumindest bei der Rahmennummer steht bei Benelli aber immer ein "S" bei den Sport-Varianten. Wer kann mir da Informationen geben?
Gekauft habe ich die Maschine sehr günstig, ist also kein Beinbruch, wenn es keine "Sport" ist...
Und hier noch ein paar Bilder:
Und jetzt Bilder von der Benelli Leoncini 2T "Normale". Die 2Takt - Leoncino wurde mehrmals überarbeitet, grundsätzlich gab es aber 3 Motor-Varianten. Die "Normale", eine "Sport", und eine Rennsportmaschine mit Flachschiebervergaser, die auch an Privatrennfahrer verkauft wurde. (Hier ein Bild von einer 2-takt-Renn-Leoncino:
Das Baujahr lässt sich auf 1954-1955 bestimmen. 1954 wurde die Leoncino mit der Teleskop-Gabel, und dem Expansionstopf im Krümmer vorgestellt. Im Jahre 1954 war, von den Stückzahlen her gesehen, das erfolgreichste Jahr der Leoncino gewesen. Ab diesem Zeitpunkt waren die Stückzahlen rückläufig, und die Leoncino konnte sich nicht mehr im Wettbewerb behaupten. Die letzten nennenswerten Stückzahlen wurden 1959 verkauft. (Quelle: Moto Ciclismo d'Epocha, Heft April 2001)
Meine Leoncino war ursprünglich rot. Die Farbvariante Schwarz, mit blauem Tank habe ich im Internet an 2 Leoncinos entdeckt, für die Restaurierung habe ich dann diese Farbe gewählt. Ob die Farbgebung aber so im Original verwendet wurde, ist mir leider unbekannt.
Meiner Meinung nach ist das einzigartige an der Leoncino, die kompromisslose Reduktion. Das Leergewicht liegt bei 88 Kilo, und so konnte man mit einem einfachen Zweitaktmotor schon in den 50er Jahren vergleichsweise gute Fahrleistungen erzielen. Die Leichtbauweise zeigt sich z.B. an der Aluminium-Gabel und am Kettenschutz aus Aluminium. Der Motorblock ist ebenfalls kompromisslos reduziert, und schliesslich auch der Rahmen.
Es fehlt noch ein Gepäckträger, dann ist sie endgültig fertig.
Der Motor ist für einen Zweitakter schon bei niedrigen Drehzahlen sehr durchzugsstark. Wenn man unterwegs ist, dann braucht man praktisch nur den dritten und vierten Gang. Die Durchzugsstärke zeigte sich auch im Italienurlaub in der Region Monte Grappa. In der Ebene noch gleich schnell wie Viertakter aus der gleichen Zeit (eine Gilera 125 Turismo, und eine Laverda 100 Turismo), aber bergauf jeweils einen Gang schneller.