Das erste Bild zeigt meine Corsaro Veloce auf dem Gipfel des Monte Grappa. Die Corsaro Veloce ist ein Sportmodell der Corsaro, das meines Wissens in limitierter Auflage 1962 aufgelegt wurde.
Die Lackierung auf dem Tank ist nicht original, sowie die Sitzbank. Die originale Sitzbank hatte einen Höcker. Die Veloce unterscheidet sich zur normalen Corsaro durch die Stummellenker, hochgezogene Schutzbleche, Höcker-Sitzbank und natürlich durch einen leicht veränderten Motor. Es gibt einen größeren Einlass, einen 20er Dell-Orto anstelle eines 18er, höhere Verdichtung, daraus resultiert etwas mehr Leistung, und eine richig kerniges Motorrad.
Auch am Monte Grappa, aber diesmal meine "Tourismo-Corsaro", Baujahr vermutlich zwischen 1959 und 1962. Das lässt sich daraus ableiten, dass der Unterbrecher noch auf der Kurbelwelle sitzt, und nicht wie bei späteren Baujahren auf der Nockenwelle.
Die Corsaro hatte viele Kilometer auf dem Buckel als ich sie kaufte (für 500DM in Imola!), und so wurde sehr bald eine komplette Überholung des Motors notwendig. Die Maschine hängt seitdem am Gas das es die reinste Freude ist. Mir ist noch keine (ungetunete) 125er aus der Zeit begegnet, welche die Corsaro in Bedrängnis gebracht hätte.
Als Motoröl nur HD 40 oder HD 50 Einbereichsöl verwenden, ansonsten rutscht die Kupplung.
Vorne am Rahmen ist eine Platte angeschweisst, an dieser Platte sind die vorderen Motorhalterungen angeschraubt (die zwei Stangen). Zwischen dieser Platte und dem Rahmen entsteht immer ein Riss! Ich kenne 3 Corsaros, alle 3 hatten diesen Riss zwischen Platte und Rahmen. Das kann man zwar gut schweissen, aber nach ein paar Jahren kommt er wieder...
Bei einer Motorüberholung müssen Kugellager mit erhöhtem Lagerspiel (sog. C3-Lager) eingesetzt werden. Ansonsten ist die Presspassung zwischen den Kugellagern und dem Aluminium-Motorblock zu stark.
Zündung, Frühzündverstellung (ab 1962, für Modelle, bei denen der Unterbrecher auf der Nockenwelle sitzt):
Bei einer Überprüfung der Zündung habe ich beim Abblitzen festgestellt, das die drehzahlabhängige Zündverstellung nicht richtig funktioniert, die Änderung zwischen Standgas und hoher Drehzahl ist viel zu niedrig. Die Unterbrechernocke hatte deutliches Spiel, ließ sich also leicht hin und her wackeln, erst nach einer gewissen Drehung spürte man die Feder der Fliehkraftverstellung. Und hier ist die Ursache:
Die Mitnehmerbolzen der Fliehkraftverstellung waren deutlich abgenutzt:
Als erste Hilfe hab ich die Bolzen einfach um 90 Grad gedreht, so dass sie jetzt wieder nahezu spielfrei laufen, im Winter werde ich sie ersetzen. Und siehe da, die Zündverstellung ist wieder perfekt. Der Motor läuft wieder in allen Drehzahlen sehr gut.